Quickshot - Schnellschuss vom 13.02.2001 Quickshot-Index

Die Wurzeln eines der ganz Großen

Städtische Galerie Albstadt präsentiert das Jugend- und Frühwerk von Otto Dix

Von Axel Winter (Schwarzwälder Bote)              

Albstadt. Wer den großen Otto Dix begreifen will, für den ist jetzt ein Besuch in der Städtischen Galerie Albstadt nahezu Pflicht. "Dix avant Dix" ist die große Ausstellung betitelt, die das Jugend- und Frühwerk des späteren Meisters erschließt.
     Der Bezug zu Albstadt ist einfach: Seit Gründung der Galerie bilden Arbeiten von Otto Dix den Schwerpunkt der bedeutenden Graphischen Sammlung mit ihren rund 15000 Blättern. Darunter sind etwa 400 Arbeiten auf Papier des Künstlers. Doch nur wenige, etwa 35, stammen aus dem Frühwerk. Das Jugendwerk eines der bedeutendsten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts ist nahezu unbekannt. Es umfasst jene Arbeiten, die bis 1910 während seiner Schul- und Lehrzeit entstanden.
     Gemeinsam mit der Kunstsammlung Gera, die wegen der Nähe zum Geburtsort von Dix, Untermhaus, über die zweite große Dix-Sammlung in Deutschland verrügt, entstand dieses Projekt, das Rück- und Aufschlüsse zu einem heute noch aufregenden Werk zulässt. "Wir sind froh, diese Werke einmal hier im Hause zu haben", freut sich denn auch Museums-Mitarbeiter Clemens Ottnad, der an der wissenschaftlichen Aufbereitung (auch Katalog-Beitrag) der Ausstellung beteiligt war.
     Bei den Jugendarbeiten freilich deutet noch nichts hin auf das spätere wilde, explosive Genie. Es sind brave gegenständliche Landschaftsstudien, Blumenstillleben, Tierstudien, Dorfskizzen, doch auch schon recht beachtliche Porträts. Es fällt auf, dass der junge Dix schon früh bemüht war, seine engere Umgebung naturalistisch und perspektivisch genau abzubilden. Sehr gefällig auch die vielen Ornamentsstudien, die schon ein großes Gespür für die Wirkung der Farbe bezeugen.
     Im ersten Obergeschoss der Galerie begegnet man dem Frühwerk, das etwa ab 1910 angesetzt ist. Otto Dix trat damals in die Königliche Kunstgewerbeschule Dresden ein, was ihm ein Stipendium ermöglichte. Hier entstehen vor allem barock anmutende Tuschezeichnungen.
     Ein Bruch im Werk entsteht um 1913/14. Dix begeistert sich an Friedrich Nietzsche und entdeckt für sich das Thema "Eros und Tod", was für sein ganzes späteres Werk mitbestimmend bleiben sollte. Ein Beispiel dafür ist das Bild "Dirne", 1913 entstanden, das die Galerie Albstadt aus ihrem Bestand beisteuert. Die Begegnung mit der aufkommenden Kunstform des Expressionismus macht 1914 die Dresdner Ausstellung "Die neue Malerei" möglich. Sie beeindruckte den Maler zutiefst. Als Beispiel für die Beeinflussung sei das Ölgemälde "Die Billardspieler" (1914) genannt. Gleißendes Weiß, grelle Gelbtöne, dunkles Rot und die wilde Gestaltung weisen schon Bezüge zu einem der späteren Hauptwerke des Meisters auf, zu "Der Krieg".
     Auch angelegt im Frühwerk sind christliche und biblische Themen, dokumentiert mit "Geißelung Christi" (1914), die martialische Zeichnung "Heiliger Sebastian" oder "Kreuzabnahme" (1913). Derbe Aktbilder wie die schonungslos direkte Kreidezeichnung "Hure" (1914) stehen dazu in einem seltsamen Kontrast. Auch Akte spielen ja im Hauptwerk von Otto Dix eine große Rolle.
Die sorgfältig gehängte Ausstellung ist in ihrer Dichte ein Gewinn. Der Katalog vermittelt sehr viel Persönliches über den Maler mit teils bislang unveröffentlichten Briefen.

»»» Die Ausstellung beginnt morgen und ist bis 16. April zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr, an Wochenenden von 10 bis 17 Uhr. Der Katalog kostet 48 Mark.